Die Zuckerfabrik Silberschlag wurde in der Stadt Cochstedt (1) mit 1068 Einwohner (2), seit 2002 Ortsteil der Stadt Hecklingen, 1848 gegründet und am
31. Januar 1933 geschlossen (3).
Geschichtsanmerkungen zur Stadt Cochstedt
Eintrag im Deutschen Reichsanzeiger vom 2. Februar 1933, Seite 5 (23)
Blick auf die Stadt Cochstedt, 2023, von Nord-Westen, Privatfoto K. Müller, gemeinfrei.
Lage der ehemaligen Zuckerfabrik im Ort, Luftbild 1930, mit Eintragungen H. Bartzack.
Postkarte: von 1918, Bahnhof Cochstedt, Ausschnitt H. Bartzack.
Postkarte von 1918, Gutshaus der Zuckerfabrik Silberschlag, Ausschnitt H. Bartzack (gebaut 1867).
Geschichte der Zuckerfabrik
In der über 1085-jährigen Stadt „Cochstedt“ fand Mitte des 19zehnten Jahrhunderts die
industrielle Revolution statt. Aus einem scheinbar verschlafenen Bauerndorf, mit
Stadtrecht von 1535, seit 1648 mit dem Westfälischen Frieden zu Preußen gekommen,
wurde eine Stadt mit einem sagenhaft großen Fabrikunternehmen (3).
Die Dampfmaschine – sie war der Antrieb der Industriellen Revolution. Ohne sie wären
die industrielle Revolution mit der Eisenbahn und den neuen Fabriken undenkbar gewesen.
König Friedrich Wilhelm III. initiiert die Zuckerrübenindustrie
Die Nutzung des Zuckers in der bekannten Runkelrübe, eigentlich damals nur Futterrübe,
ist das Verdienst des Prof. Andreas Sigismund Marggraf (1709 -1782). Er untersuchte
verschiedene bekannte Pflanzensäfte. Das besondere seiner Untersuchungen süßer Säfte
lag in der Entdeckung von Zucker in einigen diesen Säften, der den Zucker aus Zuckerrohr
genau gleicht. Mehr aus dem einfachen Zugriff heraus untersuchte er auch den Saft
der vielgenutzten Runkelrübe. Das relativ hohe Ergebnis für Zucker überraschte.
Ein würdiger Vorreiter der von seinem Nachfolger zu entwickelnden Zuckerproduktion.
Als Marggraf 1782 starb, wurde der technisch begabte, fleißige und erfinderische Achard
neuer Direktor. Achard widmete sich zunächst noch den fortgeführten Arbeiten unter
dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. und verbesserte die Kultivierung des
Tabakanbaues in Preußen (Da denke man an das bekannte Tabakskollegium vom
Vater des Friedrich den Großen in Königs Wusterhausen) (9). Dafür bekam er
vom König ein höheres Gehalt. Es war eine gute Vorbereitung auf seine Arbeiten für
eine Zuckerproduktion. Die ehemaligen preußischen Domänenkammern, wie die in
Magdeburg und Halberstadt, suchten immer Geldquellen und waren zu Unterstützungen
derartiger Bauvorhaben bereit. Der König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hatte
schon 1799 bei einer Zusammenkunft mit den Direktoren der Domänenkammern auf
diese Geldquelle hingewiesen (4).
König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise\ Schloss Paretz\ 1799\
Vorahnungen?
Am Hof in Potsdam fand am 09.02.1799 ein großes Fest anlässlich der Proben für den
Karneval statt. In den Hofgesprächen stand die aktuelle politische Situation im Mittelpunt.
Gräfin von Voss, Oberhofmeisterin der Königin, kritisiert die Veranstaltungen:
Man denkt an nichts als an die Redoute, während die Könige von Sardinien und Neapel
auf der Flucht sind und Ehrenbreitstein genommen wird. Gott weiß, wie das alles gehen wird.
Gebe der Himmel, dass die Reihe nicht an uns kommt.
13.02.1799 Faschingsdienstag .
Der Karneval ist allerdings auf den nächsten Tag verlegt. – Man meint, dass es in diesen
unglücklichen Zeiten und der Niederlage ganz Europas überhaupt nicht stattfinden sollte.
Der Kurfürst von Sachsen hat die Karnevalsvergnügungen in diesem Jahr ganz und gar
abgesagt. (6).
Es ging in den Tischgesprächen um Auswirkungen der militärischen Erfolge 1796/1797
der französischen Armee unter Bonaparte im Italienfeldzug und uuml;ber schrecklichen
Niederlagen dort von Osterreich im 1. Koalitionskrieg. Neben den politischen Problemen
wird auch die innenpolitische Situation Gesprächsthema gewesen sein.
Es ist ja sehr wahrscheinlich, dass die Sperrungen deutscher Häfen 1795 durch die
Engländer kein Zucker (Rohrzucker) und anderer Waren (Kolonialwaren aus England)
nach Deutschland gelangten. Das betraf einen Großteil europäischer, von Frankreich
besetzter Länder. Die nach dem Sieg Napoleons über Preußen 1806 in Berlin verkündete
Kontinentalsperre gegenüber England führte zum Bau von Zuckerfabriken (4).
Anfang Juni 1810 wurde durch den König Friedrich Wilhelm III. nach Vorstellung der
erfolgreichen Ergebnisse in der nach Achard, gebauten Fabrik für 70 Zentner täglicher
Zuckerproduktion, durch Kabinettsorder die Eröffnung einer Lehrschule für landwirtschaftliche
Nebenbetriebe gefordert (4).
Achard wurde nun auch die von ihm erhoffte gesellschaftliche Anerkennung zuteil und
Ehrenmitglied der Preußischen Akademie.
Die allgemeine Anbaufähigkeit der nun so genannten Zuckerrübe war gegenüber dem
Zuckerrohr ein wesentlicher Grund für die von Achard durchgeführten nachfolgenden
Untersuchungen und für die Bemühungen um eine Versuchsfabrik (4).
Der vom König eingesetzte Reformer der Akademie, A. H. Borgstege, wurde nun enger
Förderer der Entwicklung der Zuckerindustrie des Direktors Achard.
Damit gab es Förderungen, Geld und ein geschenktes Gut in Schlesien zum verstärkten
Aufbau 1802 von einer Versuchsanlage für einer größeren Zuckerproduktion (18).
Es erfolgten Anbauversuche auch in Gatersleben durch die eigentlich für Getreideanbau
erfahrene Spezialisten (11). Die alternative Rübenzuckerproduktion blieb kein Geheimnis
Preußens. Am 25. März 1811 ordnete Napoleon den Anbau von 32000 Hektar Runkelrüben
und den Aufbau von sechs Versuchsanstalten an. Napoleon stellte große Geldmittel in
Frankreich dafür bereit (4).
An Achard wurde die Goldene Medaille der Agrikulturgesellschaft Paris als
Dankesschuld Europas verliehen (4).
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 überschwemmte England mit ihren Kolonialprodukten
wieder Europa. Der Rohrzucker war billiger und verdrängte sofort den gerade nun produzierten
Rübenzucker (8).
Am 26. Mai 1818 wurde das Zollgesetz in Preußen verabschiedet.
Die Abschaffung der Binnenzölle schaffte einen einheitlichen territorialen deutschen Binnenmarkt.
Davon profitierte insbesondere die Agrarwirtschaft (19). Der Zucker wurde wieder wettbewerbs-
und Steuerfähig (8, 9). Es begann der Neubau von Zuckerfabriken nach dem Produktionsverfahren
nach Achard (9). Die Magdeburger Börde und besonders die Egelner Mulde waren für den Anbau
von Zuckerrüben besonders bekannt geworden (4). Um dieses Anbaugebiet entstanden daher viele
Zuckerfabriken (9).
Mit den Erfolgen der französischen Zuckerindustrie begann Preußen 1830
verstärkt den Bau von Zuckerfabriken zu unterstützen (4). Der eröffnete Schutzzoll ab 1.Januar 1834
begünstigte die Zuckerindustrie (22, 23).
Erfolgreicher Betrieb der Zuckerfabrik Silberschlag in Cochstedt
August Silberschlag sah die gewachsenen technischen Möglichkeiten und sicherlich vor allem finanzieller Art
und ließ bis 1848 durch die Magdeburger Maschinenfabrik Buckau seine Zuckerfabrik
mitten in Cochstedt errichten (4, 9). Die neu Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG vollendete und
betreute weiterhin das Werk (9). Ein Buch mit genauer Anleitung des Verfahrens zur Zuckergewinnung
aus Zuckerrüben von 1837 mit einem verbesserten Achard-Verfahren,
der Zier - Hanewald – Arnoldische - Methode, brachte Sicherheit für Investoren (9).
Mit dem Millionenobjekt der Zuckerfabrik der Familie Silberschlag wurde am Rande der
Magdeburger Börde am östlichen Gebiet der Domburg im Hakel ein weiterer großer Betrieb für die
Verarbeitung der auf den umliegenden Feldern nun geernteten Zuckerrüben gegründet (3).
In der von Edgar Barth zum 1050-jährigen Ortsjubiläum 1991 aufgelegten Kurzchronik steht für
den 24. November 1848 der Beginn der ersten Rübenzuckerkampagne (3).
Aus den fleißigen und erfolgreichen Bauern waren nun auch Industriearbeiter.
Der Eingang in die Zuckerfabrik Silberschlag\ Postkarte, Privat-Repo K. Müller\ Ausschnitt H. Bartzack\
Der Gründer der Zuckerfabrik, Herr August Silberschlag, hatte sich für den Aufbau und
erfolgreichen Betrieb der Magdeburger Zuckerfabrik 1836 sowie auch der
in Klein-Wanzleben 1838 interessiert und kam auf eine Umsetzung einer Zuckerproduktion
in der Stadt Cochstedt (3, 9). Die Cochstedter Bauern suchten &aumLhnlich wie in anderen
Ortschaften der Magdeburger Börde, auch den profitablen Anbau von Zuckerrüben auf
ihren fruchtbaren Ackerboden ohne weiten Antransport der Rüben in einer Fabrik zu
gestalten. Sicherlich waren die Züchtungserfolge zur Erhöhung des Zuckergehaltes
der Zuckerrüben im nahen Gatersleben ihnen bekannt (11). Der Zuckergehalt der
Zuckerrüben lag ja noch bei 2 bis 3%. Die engen Verbindungen zwischen Banken
und reichen Bauernwirtschaften ist legendär
Zuckerfabrik Silberschlag aif einer Postkarte vom 29.10.1918\ Ausschnitt H. Bartzack\
Der Fortschritt auch in der Technik der Zuckergewinnung durch Walzen anstelle von Pressen, Zerfransen statt geschnitzelt,
Dampf statt Heißwasser, Anwendungen mit Zentrifugen und weitere Entwicklungen machten den Zucker billiger und
er wurde zunehmend vom Genussmittel zum Nahrungsmittel (19).
Zuckerfabrik Silberschlag mit Gleisanlagen\ Postkarte von 1918\ Ausschnitt H. Bartzack\
Die Voraussetzungen im Ort waren gut. Der vorhandene kleine Goldbach mit seiner
Tallage sicherte den Zu- und Abfluss der hohen Wasser- und Abwassermengen für
die damaliger Produktionstechnik mit wärmetechnischen sowie verschmutzungsstarken
Verarbeitungseinrichtungen (24). Es wurden zur Abwasserreinigung von Silberschlag
damalige moderne Verfahren eingesetzt. Herr Silberschlag setzte zur
Abwasserbehandlung das Nahnsen - Müller- Verfahren einer Fabrik aus Schönebeck
seit 1884 ein (12). Einen Bericht eines Pendlerbeobachters zufolge erfolgte eine
Kontrolle am Lagerraum der Zuckerfabrik Silberschlag am 13. und 14. Juli 1900 (13).
Dieser Pendler war dem Bericht zu Folge das ganze Jahr unterwegs.
Die Aufwendungen und die Kontrollen des Abwassers sind schon damals aufwendig
und notwendig. Gerade an Orten mit der Wassernutzung aus Bächen und Flüssen
wurde verstä,rkt kontrolliert (13).
Reinigungsanlagen Zuckerfabrik\ König, J.\Verunreinigung der Gewässer\ Springer, 1899 Bd.2.\ S.247, Ausschnitt H. Bartzack\ gemeinfrei\
Um diese Kalkmengen zu erzeugen bestand ein kleines Kalkwerk. Das gesamte
anfallende Abwasser wurde dem Goldbach zugeführt und gelangte uumlber die Bode
und Saale in der Elbe. Eine Kalkfabrik mit eigenem Schornstein und weitere Fabrikteile
zur Reinigung des Abwassers ergänzten somit die Cochstedter Anlagen.
Messergebnisse der Reinigungsanlagen Zuckerfabrik\ Fischer, F.\ Das Wasser, u.a.\ Springer, 1902\ S.16, Ausschnitt H. Bartzack\ gemeinfrei\
Die Zuckerfabrik Silberschlag benötigte neue Arbeitskräfte in den vormals rein landwirtschaftlich geprägte Ortschaft Cochstedt.
Innerhalb von 21 Jahren erhöht sich die Einwohnerzahl um 548 Personen (3).
Die Leistung der Zuckerfabrik Silberschlag in Cochstedt lag in der Kampagne 1899-1900
bei 47 000 Zentner Rohzucker. Diese 2 375 t Zucker mussten zur Zentralstelle in Egeln
geschafft werden (8).
Die Finanzverwaltung Magdeburg benutzte als Zuckersteuerstelle Egeln. Allein in
Magdeburg gab es in der Kampagne 1840/41 etwa 15 Zuckerfabriken (9).
Der gesamte Transport der Zuckerfabrik wurde zunächst durch Pferdewagen, den
Karrendienst der Bauern, geleistet. Bis zur Nutzung des Gleisanschlusses 1897 an
der Kleinbahn Aschersleben-Schneidlingen-Neinstedt, die ASN von 1897, erfolgte dies alleinig
durch den Karrentransport. Die Eisenbahnverbindung nach Schneidlingen erleichterte
diesen aufwendigen Abtransport der Zuckerproduktion (17).
Für die Zuckerfabrik Silberschlag mit einer Produktionsmenge in besten Zeiten
von 2 500 Tonnen Zucker könnte das um das Jahr 1900 bei einer Ernte
von etwa 25 000 Tonne Zuckerrüben liegen (Annahme zum Zeitpunkt erreichter 10% Zuckergehalt, H. Bartzack).
Diese Mengen konnte der alte Karrendienst als Transportmittel von Cochstedt nach Egeln
nie bewältigen.
Die Eisenbahn, also das Zeitalter des Dampfes, war der industrielle Ansatz für die
wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des Rübenzuckes in Europa.
Der Zucker aus Zuckerrohr erreicht diese Dimension im kontinentalen Europa nicht.
Das Gleisgebiet der Zuckerfabrik von Westen fotografiert\ Postkarte\ Ausschnitt H. Bartzack\
Die Entwicklung der Winkler-Schwelgasgeneratoren zur Brenngaserzeugung aus zunäst
englischer Steinkohle wurde von der Firma Liebau aus Magdeburg 1864 fast gleichzeitig in den
Zuckerfabriken Egeln, Bleckendorf, Cochstedt, Langenweddingen und Offleben aufgebaut. Die Zuckerfabrik Silberschlag wurde mit 130 Flammenlanzen ausgerüstet (21).In Egeln
wurde dabei auch eine Straßenbeleuchtung aufgebaut.
Die immer breitere Anwendung neuer Feuerungsanlagen (Schwelgaserzeuger) mit Kohle
in betriebseigenen Gasanstalten und die Kalkbrennerei erforderten nun auch den Ausbau
des Eisenbahnwesens, was die bisherigen Grubenbahnen der Familie Douglas zu großen
Bahnanlagen entwickelte (17).
Der Aufschluß 1884 der Grube zum Tagebau Königsaue wurde
vom Kaiser Wilhelm II. 1888 mit dem erblichen Grafentitel belohnt (20).
Vergleichbare Ehrungen für die Gründer von Zuckerfabriken sind nicht bekannt.
Daher verwundert es nicht, dass sich die Betreiber der Zuckerfabriken massiv für ihren
Bahnanschluss einsetzten. Herr Rittmeister Heinrich Silberschlag war auch Stadtrat im Magistrat der Stadt Cochstedt (3).
Der Gleisanschluß Cochstedt bei der ASN 1898\ Der Schienenplan des Bhf. Cochstedt in einen Ausschnitt von H. Bartzack.
Dieser Anschluss in Cochstedt an das Netz der Kleinbahn 1897 eröffnete den leichteren
und billigeren Verkauf des produzierten Rohzuckers zu weiterverarbeitenden
Unternehmen (16). Ein wichtiger Kundenkreis waren die finanzstarken Zuckersiedereien (7).
Schienenkreuz Schneidlingen\ Karte Nr. 4034 Egeln, 1919, Anschlussblatt 74\ Ausschnitt und Einträge H. Bartzack\ gemeinfrei\
Im Jahre 1895 gründete die allgemeine Kleinbahngesellschaft mit Ortschaften,
Kohlengruben und der Stadt Cochstedt die Aschersleber – Schneidlingen - Nienhagener
Kleinbahn AG. 1897 konnte die 45,4 km lange Strecke eröffnet werden. Mit der
Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Aschersleben - Schneidlingen vom 1.4.1897
bekam auch die Zuckerfabrik Cochstedt ein Anschlussgleis. Damit war eine schienengebundene
Anlieferung von Kohle, dann Braunkohle und Zuschlagstoffen sowie insbesondere die Verladung der
erzeugten Zuckermengen wesentlich erleichtert und der Abtransport in Richtung Egeln über
Schneidlingen kostengünstig zu gestalten. Der bisherige Karrentransport für An- und Vertriebstransport
sparte Kosten, Pferde und Transportwagen für die Zuckerfabrik ein.
Schließung-Silberschlag-orginaler-Eintrag in den Deutschen Reichsanzeiger. am 2. Februar 1933. Ausschnitt H. Bartzack.
1933 endete der Betrieb der Zuckerfabrik Silberschlag
Die Einwohner der Stadt Cochstedt haben in der Zeit des Bestehens der
Zuckerfabrik Silberschlag wichtige Verbesserungen in der Wohn- und Arbeitswelt
bekommen (3).
Schon 1854 wurde der erste europaweite Versuch unternommen, gegen eventuelle
Überproduktion zu steuern. Mangels Beteiligungen vergebens (22).
Als der in Hakeborn geborene Rittmeister Heinrich Silberschlag 1917 in Breslau verstarb, übernahm sein Son die Zuckerfabrik in Cochstedt.
Es waren ungünstige Zeiten. Die Niederlage im 1. Weltkrieg beeinflusste den Zuckerhandel massiv.
Da wurde propagiert Boykott German Goods.
Der Absatz von Rübenzucker brach weg. Die Inflation 1914 bis zur Hyperinflation 1923 entwertete das Geld und Deutschland war Pleite (29).
Der Schwarze Donnerstag am 24. Oktober 1929 brachte die Weltwirtschaftskrise (23, 30).
Die am 27. März 1931 erfolgte Gründung der Vereinigung der Deutschen Zuckerindustrie
in Berlin setzte eine allgemein verbindliche Kontingentierung der Produktion durch. Kleine
Zuckerproduktionsbetriebe hatten damit ohne einen Zusammenschluss keine Zukunft (23).
So erging es auch der Zuckerfabrik Silberschlag (3).
Deutscher Reichsanzeiger\ Abmeldung der Zuckerfabrik Cochstedt\ Eintrag von 1933\ Ausschnitt H. Bartzack\
Das Ende der Zuckerfabrik Silberschlag reichte mit dem baulichen Abriss bis in die 1936/1937
Jahre. Mit der Schließung der Zuckerfabrik reduzierte sich die Einwohnerzahl um 93 Personen (3).
Die Eisenbahnen, besonders die ASN beendeten 1963 den Personenverkehr (17) .
Der beschränkte Gütertransport blieb bis zum Ende des Russischen Flugplatzes bis 1995 bestehen..
Eintrag für 1933, Sprengung eines Schornsteines\ Chronik 1050 Jahre Cochstedt\ Ausschnitt H. Bartzack\ (3)
In der Chronik 1050 Jahre Cochstedt ist die Sprengung eines Schornsteins als Ende der
Zuckerfabrik für 1933 eingetragen. Der Ab- und Umbau der Betriebsanlagen sowie die
Sprengungen dauerten aber bis 1937. Das scheint einer der vorhandenen Schornsteine
gewesen zu sein. Es gab ja drei Schornsteine für drei Teilbereiche, Feuerungsanlage,
Kalkerzeugung und Produktionsanlagen.
Vorbereitung der Sprengung eines Schornsteines 1937\ Privatfoto\ Ausschnitt H. Bartzack\
Nachfolgend eine private Fotoaufnahme mit Bemerkungen aus dem Haus des ehemaligen
Lehrers Ziegler auf der Bergstraße, gegenüber der Zuckerfabrik, ist mit einem Datum der
Fotoaufnahme gekennzeichnet. Da war der höchste dieser Schornsteine gesprengt worden.
Sprengung eines Fabrikschornsteines am 30.Januar 1936\ Privatfotos\ Ausschnitt H. Bartzack\
Der Eintrag vom 1933 im Deutschen Reichsanzeiger am 2. Februar hält auch die Machtübernahme der Nationalsozialisten fest (26).
Nachbetrachtung
Das Ende der Zuckerfabrik Silberschlag 1933 kann eng mit der Machtergreifung der
Nationalsozialisten und der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung in Verbindung
gebracht werden.
Leider ein Beispiel aus der Zuckerwelt!
Der Direktor der Zuckervertriebsgesellschaft Halle AG, Paul Weinzweig, wurde
am 26. August 1933 bei der Neubesetzung der Ausschüsse der deutschen Zuckerindustrie
wiedergewählt. Das stand im Gegensatz zu den gerade erlassenen Gleichschaltungsgesetz
vom 31. März 1933., welches das Führerprinzip umzusetzen hatte. Demnach sollten
Führungspositionen antisemitisch und mit NSDAP-Mitgliedern zu besetzen sein (23, 24).
Damit war der jüdische Paul Weinzweig für den Kreisbauernführer des Kreises Querfurt,
Dr. Raecke, untragbar. Dieser stellte als elfte von zwölf Fragen seines Fragebogens an
die Leiter der Zuckerbetriebe der preußischen Provins Sachsen nach deren Meinung
zur Befähigung und Akzeptanz des gerade gewählten Paul Weinzweig. Ziel war eine Annullierung
der gerade erfolgten Wahl.
Die Frage war direkt: Halten Sie es für angängig und richtig,
dass im heutigen Nationalsozialistischem Staate an der Führung eines der wichtigsten
landwirtschaftlichen Wirtschaftszweige ein Jude (Herr Weinzweig) mitbetraut ist?.
Paul Weinzweig schied aus allen Ausschüssen der Gesellschaft aus! (24, 27).
Die Nazis haben auch in der Stadt Cochstedt Verbrechen begangen!
Die Vernichtung und Auslöschung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ist glücklicherweise nicht erfolgt.
Literatur
Einzelnachweise Literatur
Datei-.Visit und Download zu Cochstedt
Qucosa 878280 Nobilis, Canonissa et Canones de Cochstedt pdf
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